
Erstmals liegt eine vollständige, auf Grund aller heute zugänglichen Quellen historisch solid abgestützte Geschichte des Fraumünsters in Zürich vor. Sie spannt sich von der Vor- und Frühgeschichte der Abtei, die im Jahre 853 durch die grosszügige Schenkung des ostfränkischen Königs Ludwig des Deutschen an seine Tochter Hildegard zum reichen Stift für adlige Damen wurde, über das Mittelalter und die Reformation bis in die Neuzeit. Weit gefehlt, hier eine blosse Innenschau der benediktinischen Abtei und der nachmaligen reformierten Predigtkirche mit ihren 29 Äbtissinen und 24 Pfarrern zu vermuten, so präzis und einfühlend die einzelnen Gestalten porträtiert sind und so detailkundig die Baugeschichte vorgestellt wird. Der Reiz, ja die Faszination besteht vielmehr darin, dass an diesem roten Faden eine elfhundertjährige Geschichte der Stadt Zürich mit ihren Glanzpunkten des politischen Selbstbewusstseins, des zähen Erwerbsfleisses und einer kulturellen Führungsaufgabe in der Reformation und dann nochmals später in der Aufklärung entfaltet wird. Und was in Zürich geschieht - das wechselvolle Widerspiel zwischen der anfänglich allmächtigen Stadtherrin im Kloster und dem erstarkenden Rat, das von Zwingli geschaffene Bündnis zwischen Staat und Kirche-, ist eingebettet in die europäische Geschichte, die in prägnanten Abrissen ins Bild kommt.