
Zu den eigenwilligsten und originellsten Persönlichkeiten des parlamentarischen Lebens gehört ohne Zweifel der dem Landesring nahestehende Freiwirtschafter Werner Schmid. Der 1898 geborene Ehrenpräsident der Liberalsozialistischen Partei der Schweiz war in den vergangenen Jahren eines der aktivsten Mitglieder der Landesringfraktion des Nationalrates. Werner Schmid war von 1924 bis 1956in Wetzikon und Zürich als Primarlehrer tätig. Anschliessend amtete er bis 1963 als Leiter des von Gottlieb Duttweiler gegründeten «Büros gegen Amts- und Verbandswillkür». In den letzten Jahren war Werner Schmid als Schriftsteller und freier Journalist tätig. er war ein scharfer Gegner der Konjunktur- und Währungspolitik des Bundesrates. Daneben setzte er sich vehement für ein neues Bodenrecht, die Verschärftung des Waffenausfuhrverbotes, für die Liberalisierung der Wechselkurse und andere Postulate in liberalsozialistischem Sinne ein. Seine in freier Form und mit treffsicherem Witz vorgebrachten Voten waren Höhepunkte parlamentarischer Diskussionen. Trotz aller Schärfe, mit der er seine Meinung zu formulieren verstand, billigten ihm auch Gegner politische Fairness zu. Auch seine Tätigkeit im «Büro gegen Amtswillkür» - dem eigentlichen «Vorläufer des Ombudsmans» - war frei von Ressentimens.
Tagesanzeiger vom 6. September 1971