
Mein Vater verabschiedete sich gern von seinen Verwandten und Freunden mit dem Spruch «Bliib gsond!» Er meinte es ernst, in seiner Stimme lag ein warmer Ton, viel Wohlwollen klang mit. Auch wenn kein frommes Wort dabei war, für mich war es wie ein Segensgebet.
Fragt man Fachleute oder die WHO, was man unter Gesundheit zu verstehen habe, bekommt man eine differenzierte Antwort. Es geht auf jeden Fall nicht nur um das Fehlen von Krankheit. Gesundheit
hat auch seelische und soziale Aspekte. Wohl mit Recht. Gibt es doch Menschen, die körperliche Mängel haben und doch einen gesunden Eindruck machen. Und umgekehrt. Hat Gesundheit auch eine religiöse Dimension? Es gibt Umfragen, die belegen, dass gläubige Menschen eine höhere Lebenserwartung haben. Und dass Beten und im Grün, der bekannte Mönch und Buchautor, ist der festen Überzeugung, dass wir Menschen einen «gesunden Kern» in uns haben, der unberührt ist von Krankheit und Bitterkeit, von Zerrissenheit und Spaltung. Es ist das einmalige Selbst, das unverwechselbare Bild, das sich Gott von mir gemacht hat. Glauben hiesse demnach, die Verbindung mit diesem «gesunden Kern» suchen. Aus dieser Sicht bekommt das «Bliib gsond!» noch eine tiefere Bedeutung.