
Insel-Bücherei Nr. 575, 41. - 48. Tausend, [1] IB
Johann Sebastian Bach - Ein verpflichtendes Erbe
Leseprobe: Rede zum Bachfest in Hamburg am 12.9.1950.
ALS IM HERBST 1748 NACH EINER GUTEN
fränkischen Weinernte der Kantor Johann Elias Bach in Schweinfurt ein Fässchen seines Weines an seinen Vetter Sebastian nach Leipzig geschickt hatte, um seine verwandtschaftliche Anhänglichkeit zu bezeigen - ihm, bei dem er gelernt hatte, der Muhme, die er sehr verehrte, und den kleinen Vetter, deren Erzieher er gewesen war - das muss er ein wenig verwundert gewesen sein, als er im Postscriptum des Dankbriefes aus Leipzig las, dass man dort sein gut gemeintes Angebot, auch "fernerhin mit dergleichen liqueur zu assistieren", 'depreciren' müsse. Irgendwie hatte das Fässchen unterwegs etwas von seinem Inhalt verloren, ferner musste der Empfänger die Fracht und die Zollkosten tragen, so dass (und so schliesst der Brief) "jedes Mass fast 5 gr. zu stehen kömmt, welches denn vor ein Geschencke alzu kostbar ist".