Insel-Bücherei Nr. 433, 16. - 25. Tausend
Geschichte ohne Worte – Ein Roman in Bildern
Nachwort von Hermann Hesse
Masereel (1889-1972) vertrat in seiner Kunst einen konsequenten Humanismus. Er stellte die Menschen in ihrer Verlorenheit und Verlassenheit in der modernen Zivilisation dar, ohne indessen als Pessimist gelten zu können. Denn gleichzeitig lieferte er Beispiele für Handlungsmöglichkeiten, um dem Menschlichen in einer sich entmenschlichenden Welt den ihm gebührenden Platz zu sichern.
Diese «Geschichte ohne Worte» hat nicht Krieg und Revolution, nicht Arbeit und Elend der Masse zum Gegenstand, sie erzählt die Geschichte einer Liebe, und zwar einer ganz bestimmten Art von Liebe: der Liebe des idealen Jünglings, des Geistigen und Phantasten, zur schönen, banalen Frau. Sie bezaubert ihn, sie weckt den Träumer aus seiner Einsamkeit und seinem Frieden, erfüllt ihn mit Sehnsucht nach Liebe, Sehnsucht nach Sinnengenuss, nach Welt, nach Hingabe, sie reisst ihn zu ungestümer Werbung hin, und sie bleibt, während er Mond und Sterne ihr zu Füssen legt, immer das kluge, kühle Weibchen, dem weder an Monden noch an Sternen viel gelegen ist, das die Stürme seiner Verliebtheit lächelnd ansieht und noch schürt, um sich möglichst teuer zu verkaufen. Er bringt jedes Opfer, er erschöpft sich in Hingabe, in Demütigung, und endlich gewinnt er sie….
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