
Bei den in diesem Buch zusammengefassten Monotypien erfährt die Inszenierung der angedeuteten Geschichten eine subtile Überhöhung dadurch, dass Helmut Wenczel die Bilder auf Transparentpapier druckt. Die schwarzen Schemen auf halbdurchsichtigem Träger, oft noch mit einem Lappen leicht verwischt, scheinen sich in einem diffusen Raum zu bewegen. Liegen die halbtransparenten Blätter auf einem Stapel oder sind sie in einem Buch eingebunden, so verdichten sich die einzelnen Motive zu einem Bildkörper. Die Zeichnungen überlagern sich und es bauen sich Bildräume auf, indem jedes Blatt Vorder- und Hintergrund sein kann. Die Halbdurchsichtigkeit löst jeden visuellen Halt auf und steigert Orientierungslosigkeit und Spannung. So erweisen sich die auf den ersten Blick so alltäglichen und einfachen Motive von Helmut Wenczel als hintergründige Bildfallen, in denen sich die Sehgewohnheiten nicht nur der Kunst sondern auch der aktuellen Bildermedien schnell verirren. Das vermeintlich Einfache zeigt sich plötzlich als Komplexes, Widersprüchliches, "Linkisches", das zu genauem Sehen auffordert und deutlich macht, dass nicht alle Bilder unserer Welt fast food sind.