Eine illustrierte Kulturgeschichte der menschlichen Haarpracht
Im 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Bartlosigkeit, erlebte nicht nur die Profession der Barbiere eine zuvor ungekannte Blüte, die sich auch in der Kultur widerspiegelt. Am Ende des 17. Jahrhunderts teilte sich das Gewerbe der Bader in das traditionelle Handwerk einerseits und in das der Perückenmacher andererseits. Letzteres, eindeutig ein Handwerk des Luxus, entfaltete sich zunächst in Frankreich als dem Geburtsort der barocken Schönheitspflege und Repräsentation. Erst mit mehreren Jahrzehnten Verzögerung folgten die deutschen Fürstenhöfe der französischen Sitte, um sie jedoch dann vollkommen zu übernehmen.
Die Mode, tagein, tagaus eine Perücke zu tragen, geht zunächst auf den früh erkahlten französischen Bourbonenherrscher Ludwig XIII. zurück. Er schämte sich, haarlos vor seinen Hof zu treten, wurde doch die Haarfülle als Symbol der männlichen Potenz angesehen. Da sich Ludwig zudem eher seinem eigenen Geschlecht zugeneigt fühlte, wollte er keinen weiteren Gerüchten über seine Männlichkeit Nahrung geben. Er kompensierte sein körperliches Manko mit einer hüftlang gelockten und naturfarbenen Perücke. Die Mode der Frauen blieb zu diesem Zeitpunkt davon noch unberührt. Der modischen Eingebung ihres Herrschers mußte sich zwar die gesamte männliche Aristokratie in den folgenden Jahren mehr oder weniger anpassen. Das Bürgertum, insbesondere die cal-vinistische Stadtbevölkerung, stand der eitlen Mode von Anfang an abweisend gegenüber.