In den spannungsgeladenen Revolutionstagen von 1848/49 in Deutschland spielt - neben den politischen Ereignissen - die Mode eine brisante Rolle. Im Zuge der stürmischen Märztage und der danach folgenden kämpferischen Auseinandersetzungen entwickelt sich ein auffälliger und aufrührischer Bekleidungsstil, der den Revolutionären als Identifikationssymbol und Ausdrucksmöglichkeit dient. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der ausdrucksvollen Symbiose, die Kleidung und Politik miteinander eingehen. Das Aufblühen einer Demokratiebestrebungen symbolisierenden Bekleidungslinie führt zudem die Wandelbarkeit der Mode vor Augen.
Diverse politische Gruppierungen wie Freischärler, Barrikadenbauer, Bürgerwehren und Demokraten demonstrieren ihre zum Teil radikale Weltanschauung durch zottelige Vollbärte und helle Filzschlapphüte; der berühmte Revolutionär und Freischarenführer Friedrich Hecker wird modisches Vorbild für die wütenden Streiter von 1848/49. Reaktionäre und konservative Strömungen wirken der umstürzlerischen Tracht mit Glattrasur und steifem Zylinder entgegen: "Angströhre" contra "Calabreser". Anhand von zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen und Berichten entwickelt die Autorin ein ausdrucksvolles und buntes Bild der revolutionären und gesellschaftspolitischen Kostümlandschaft von 1848/49 in Deutschland.