
Biografien aus der NS-Zeit gibt es inzwischen unüberschaubar viele. Aber ein jüdischer Deutscher, der rückblickend froh ist, von Hitler aus seiner Heimat vertrieben worden zu sein, ist ungewöhnlich: "Mein Leben ist wesentlich besser verlaufen, als es jemals hätte sein können, wenn ich als arischer Junge in Gardelegen aufgewachsen wäre." In Gardelegen, einem kleinen Ort im Sachsen-Anhaltinischen, wird Richard als ältester Sohn einer angesehenen Arztfamilie geboren und merkt erst einige Jahre nach der Machtergreifung Hitlers, was es nun heißt, in dieser Gesellschaft als Jude zu leben. Seine Eltern planen rechtzeitig die Auswanderung nach Amerika. Während sie auf ein Visum warten, kommen Richard und sein jüngerer Bruder auf ein englisches Internat.
Mit dem Kriegsausbruch beginnt für den 16-Jährigen eine unfreiwillige Weltreise: Von den Briten interniert, wird er mit einem Gefängnisschiff, das nur sehr knapp deutschen U-Boot-Torpedos entgeht, nach Australien in ein Gefangenenlager in der Wüste geschickt, bald darauf aber freigelassen. Über Indien gelangt er schließlich in die USA, wo seine Eltern ihn erwarten. Als US-Soldat kehrt er kurz vor Kriegsende nach Deutschland zurück. Durch Zufall wird er Dolmetscher bei den Verhören vor den Nürnberger Prozessen und sitzt nun Nazigrößen wie Göring, Höß oder Heß Auge in Auge gegenüber.