Die Frauenzimmer kommen

Artikel-Nr.: 7184615
  • ISBN10: 3424012017
  • Autor: Irma Hildebrandt
  • Verlag: Diederichs
  • Zustand: Gut
  • Sprache: Deutsch
  • Art: Gebunden
  • Anzahl Seiten: 264
  • Jahrgang: 1994

SFr. 9.00
inkl. MWST
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Beschreibung

"Die Frauenzimmer kommen" war der Schlachtruf an der Zürcher Hochschule, als die ersten Medizinstudentinnen im Präpariersaal der Anatomie auftauchten. Aber das Pfeifen und Johlen legte sich rasch, als die Kommilitoninnen beim Leichensezieren keineswegs, wie erwartet, in Ohnmacht fielen. Zürich ist - nach Paris - die zweite Hochschule in Europa, die Frauen zum regulären Studium aufnimmt, wie Marie Heim-Vögtlin, die hier 1874 als erste Schweizer Medizinerin ihren Doktortitel erwirbt, wie Emilie Kempin-Spyri, die erste Juristin der Schweiz, und Mileva Einstein-Maric. Doch längst vor dem spektakulären Einzug der Studentinnen in die Hochschule gab es in Zürich Frauen, die ihr Leben selbst bestimmt und gegen die Konventionen gestaltet haben, etwa die junge Malerin Anna Waser im 17. Jahrhundert oder Regula Engel, die gemeinsam mit ihrem Mann in Napoleons Schlachten zieht und nebenher 21 Kinder zur Welt bringt. Später Susanna Orelli-Rinderknecht, die in ihrem sozialen Engagement für Alkoholgefährdete zur Unternehmerin wird und die ersten alkoholfreien Gaststätten gründet.

Auch das kulturelle Leben der Stadt wird nachhaltig von Frauen mitgeprägt: von Mathilde Wesendonck, Richard Wagners Muse, von der Dadaistin Sophie Taeuber-Arp, der legendären Wirtin Hulda Zumsteg, der Kabarettistin Elsie Attenhofer oder von Erika Mann und Therese Giehse, die 1933 mit ihrer Pfeffermühle nach Zürich kommen und mit brisanten Kabarettnummern für Saalschlachten mit den Frontisten, den schweizerischen Nationalsozialisten, sorgen. Und nicht zuletzt von Ruth Liepman, einer der international bedeutensten Literaturagentinnen.

Dass die "Frauenzimmer" tatsächlich kommen und sich in Politik und Wissenschaft engagieren, hoffen die Nationalrätin und Finanzexpertin Vreni Spoerry und die Betreuerin der ETH-"Frauenanlaufstelle" Katharina von Salis. Dann ist es mit der hehren Mutter Helvetia auf dem Denkmalsockel, mit der sich so trefflich Männer Staat machen lässt, und mit der Hymne, "Heil dir Helvetia, hast noch der Söhne ja..."nicht mehr getan. Dann werden die Söhne sich umstellen müssen.