In einer Stadt lebte vor vielen Jahren schlicht und recht ein Schuster mit seiner Frau. Er sass bei Tag an der Ecke der Strasse, flickte Schuhe und Pantoffeln und machte wohl auch neue. Seine Frau verkaufte Gemüse und Früchte, die sie in einem kleinen Gärtchen vor dem Tore pflanzte, und viele Leute kauften gerne bei ihr; weil sie ordentlich und sauber gekleidet war. Die beiden Leutchen hatten einen schönen Knaben, wohlgestaltet und für das Alter von zwölf Jahren schon ziemllich gross. Er pflegte gewöhnlich bei der Mutter auf dem Gemüsemarkt zu sitzen, und den Weibern oder Köchen, die viel bei der Schustersfrau eingekauft hatten, trug er wohl auch einen Teil der Früchte nach Hause. Selten kam er von einen solchen Gang zurück ohne ein Stückchen Geld oder Kuchen, den die Herrschaften dieser Köche sahen den schönen Knaben gern und beschenkten ihn immer reichlich. Eines Tages sass die Frau des Schusters wieder auf dem Markte: sie hatte vor sich einige Körbe mit Gemüse, allerlei Kräuter, und auch in einem kleinen Körbchen frühe Birnen, Äpfel und Aprikosen. Der kleine Jakob, so hiess der Knabe, sass neben ihr. Da kam ein altes Weib über den Markt her; sie sah etwas zerissen und zerlumpt aus, hatte ein spitzes Gesicht, rote Augen und eine lange, gebogene Nase. Sie ging an einem Stock, und doch konnte man nicht sagen, wie sie ging, denn sie hinkte und rutschte und wanke, es war, als habe sie Räder an den Beinen, könne jeden Augenblick umkippen und mit der spitzigen Nase aufs Pflaster fallen. ...