Jesus in Osaka

Artikel-Nr.: 7183851
  • ISBN10: ohne Angabe
  • ISBN13: ohne Angabe
  • Autor: Günter Herburger
  • Verlag: Luchterhand
  • Zustand: Gut
  • Sprache: Deutsch
  • Art: Broschiert
  • Anzahl Seiten: 327
  • Jahrgang: 1970

SFr. 8.00
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Beschreibung

Günter Herburger nennt sein neues Buch Zukunftsroman. Es spielt Jahre nach 1984. Technik und Massengesellschaft haben ihre Orwellschen Schrecken längst verloren. Ihr Kennzeichen ist eine neue, bewusste Naivität. Ihre neue Moral wird von einem langmähnigen Mann in modischem Plastikmantel namens Jesus mitbestimmt. Man begegnet ihm in einem "Fabriklager" irgendwo im japanisierten Schwabenland, oder auf der Teck, dem zu einer Kultstätte, ähnlich dem Fujiyama umgebauten Berg. Jesus diskutiert ironisch-zärtlich mit einer 'progressiven' jungen Theologin, deren Namen jeder kennt, er zwingt aber auch einen reichen Mann, der längst durchs Nadelöhr gekommen ist. Milchpulver und DDT zu essen, bis er daran erstickt. Wir sehen Jesus in Schussfahrt auf der Kunstschnee-Hallenpiste zu Tal fahren, eine künstliche Kletterwand ersteigen, später auf dem Wasser gehen und lachend versinken; den alten verstörten Papst karrt er mitleidsvoll davon, nachdem er seine getreuesten Anhänger, die Armen der Welt, gegen ihn mobilisiert hat. Es ist ein Jesus, der das 21. Jahrhundert vorbereiten hilft, die Massengesellschaft und ihre komplizierten Vergnügungen und Lebensweisen. Ein Jesus, der es hasst, wen man ihn anbetet: "Ich kann schreien und hassen und ungerecht sein wie ihr." Ein Sohn Gottes, der "nicht tot sein, sondern leben und glücklich sein will." Von dem Kreuz auf der Teck herab, an dem Jesus Passion spielt, ruft er den Ausflüglern zu: "Seid ihr Christen? Ja, antworten alle im Chor, Glaubt ihr daran? Nein, rufen alle. Ist es euch egal? Ja rufen alle. Seid ihr trotzdem fröhlich? Ja, ja, ja, rufen alle begeistert." 

Günter Herburger wählte die grösste Klischee- und Alibifigur unserer abendländischen Geschichte, um an ihr beiläufig zu demonstrieren, wie eine neue Gesellschaft und eine von Liebe bestimmte direkte Demokratie aussehen könnte.