
In Zunder notiert Meienberg verschiedenartigste Gewalttätigkeiten, harsche Wirklichkeiten und geplatzte Träume - sie haben ihm die Sprache nicht verschlagen. Und, so denkt möglicherweise der Leser dieser Reportagen aus drei Kontinenten: Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen dem angeblichen Sieg der Alliierten im sauber präsentierten Golfkrieg und dem aufblühenden Fundamentalismus in Algerien; zwischen der Misere im Maghreb und dem Rassismus in den Vorstädten von Paris; zwischen dem Einsturz des marxistischen Denkgebäudes und dem Wuchern der Esoterik; zwischen der ethnischen Säuberung in Karabach, an die wir uns gewöhnt haben, und unserer Gewöhnung an das tägliche Gemetzel in Bosnien. Meienberg schreibt einen Brief an den töflich bedrohten Salman Rushdie und einen andern an den Chefredakteur von "Oslobodjenje", in Sarajewo, der seine Zeitung unter Todesgefahr macht. Von der Aufmerksamkeit des Staates, der ihn wahnsinnig blödsinnig überwacht hat, und vom Tod der Mutter ist die Rede. Ein bisschen viel Tod und Zerstörung? Die lassen sich durch das Schminken der Zustände nicht aus der Welt schaffen, so vermutet der Reporter. Das Gewebe , welches Meienberg uns hier schildert, hat einen gemeinsamen Nenner und einen Webfehler. Einer ist ausgezogen, um dem Verschwinden der Wahrnehmung ein wenig abzuhelfen.